Nachrichten aus Bayreuth

01.06.2012 12:36

Die Dorfbewohner organisieren gemeinsam mit dem Bündnis Kunterbunt eine Gegendemo am 16. Juni

SCHWARZACH. Einen sogenannten Bayerntag will die NPD am 16. Juni in Schwarzach veranstalten. Bereits zum zweiten Mal wird der 450-Einwohner-Ort damit zum Treffpunkt für Neonazis. Doch wie auch im vergangenen Jahr wollen die Dorfbewohner den Auftritt der Rechtsradikalen nicht widerspruchslos hinnehmen: Gemeinsam mit dem Bündnis Kunterbunt organisieren die Dorfbewohner eine Gegendemo.

 Warum die Neonazis nicht einfach ignorieren? Ist es wirklich gut, wenn in der Zeitung über das geplante NPD-Treffen und die Gegendemo berichtet wird? Sind die Schlagzeilen nicht schlecht für Schwarzach? Solche Sätze hört man wie in so vielen Orten auch in dem kleinen Ortsteil von Mainleus. Aber es gibt auch andere Stimmen. Und Menschen, die sie erheben, die den Neonazis zeigen wollen, dass sie hier nicht willkommen sind. Diese Menschen werden aktiv: Am Mittwochabend gab es, initiiert vom Bayreuth-Kulmbacher Bündnis Kunterbunt, ein erstes Treffen. Wie schon im vergangenen Jahr soll am 16. Juni eine Gegendemo auf die Beine gestellt werden.

Auch ein Klowagen muss sein

Die Schwarzacher sind bei diesem Treffen in der Mehrzahl – ein Glücksfall, wie Tina Krause, Sprecherin des Bündnisses findet: „Die Bevölkerung vor Ort muss den Protest mittragen, das kann nicht von Bayreuth aus übergestülpt sein.“ Und die Schwarzacher sind voll bei der Sache, viele Details wurden am Mittwoch bereits festgeklopft: Ein ortsansässiger Unternehmer wird Flugblätter drucken, die Band Main-Line BB und ein Gospelchor werden für Musik sorgen, die ortsansässige Bäckerei für die Verpflegung, der Pfarrer wird eine Andacht halten, auch ein Klowagen wird aufgestellt – „an was man da alles denken muss“, entfährt es da einem Teilnehmer. Die Schwarzacher haben gelernt aus der Gegendemo im vergangenen Jahr.

Dass die Landes-NPD nun ein zweites Mal ihren Bayerntag in ihrem Ort abhält, hat die Dorfbewohner überrascht. Allerdings sind die Bayerntage nicht die ersten Treffen von Rechtsradikalen in Schwarzach, schon mehrfach haben Neonazis auf einer Wiese gefeiert. Das Grundstück gehört einem Schwarzacher, der inzwischen, wie gemunkelt wird, einen Posten in der Partei hat – gegenüber dem Kurier will der Mann das gestern vor Ort in Schwarzach nicht bestätigen, auch nicht zitiert werden. Stattdessen wedelt er mit einer NPD-Broschüre.

„Das ist einer, mit dem man nichts zu tun haben will“, schildert Reinhilde Bittermann-Danker, die früher für die SPD im Gemeinderat saß und nun zu den Organisatoren der Gegendemo gehört. Der Mann werde oft ausfällig; In der Bäckerei von Angelika Seuß und der Metzgerei von Ursula Eisenhut hat er Hausverbot.

Der Versammlung der Neonazis wollen die Schwarzacher ein buntes, fröhliches Bild entgegensetzen. „Wir sind nicht verbohrt, anders als die Braunen haben wir ein Lächeln im Gesicht“, sagt Klaus Knorr von der Alternativen Bürgerliste. Das wollen die Dorfbewohner den Rechtsradikalen auch zeigen: Beantragt ist, dass die Demonstrationsroute am 16. Juni nah an die Wiese heranführt. Und diesmal soll der Protest auch zeitgleich mit der NPD-Feier stattfinden, also erst ab 17 Uhr.

Auch die Gemeinde will dazu beitragen, dass viele mitgehen: Laut dem 2. Bürgermeister Robert Bosch soll der Gemeinderat am Montag eine Resolution verabschieden, in der die Bürger ermutigt werden, sich an der Gegendemo zu beteiligen.


© Nordbayerischer Kurier





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