Nachrichten aus Pegnitz

05.01.2012 19:52

Im Kaiser-College kann man gutes Benehmen lernen

BAYREUTH

Von Gert-Dieter Meier

Auf die Frage, was man in einem guten Restaurant definitiv nicht tun sollte, hat Renate Kaiser eine schnelle Antwort: „Telefonieren!“ Das Handy in der Hand dann, wenn andere schon speisen oder sich in guten Gesprächen darauf vorbereiten, das nennt sie ein echtes No-go. Eines aber, das immer wieder vorkommt. Ihr Ratschlag: „Wenn die Gäste das Telefon schon nicht ausmachen, dann sollten sie wenigstens rausgehen, anstatt im Beisein anderer zu telefonieren. Zumal ja nicht wenige Handyoniken eine unangenehme Art an sich haben: Sie plärren so laut in die kleinen Wunderwerke der Technik, dass man gar nicht anders kann, als mitzuhören. Ob man nun will oder nicht.

Schwedenhappen

Die Handyfalle ist nur ein Beispiel von vielen, die auf Renate Kaisers Liste der Peinlichkeiten steht. Kaiser, mehr als drei Jahrzehnte Herrin von Schloss Thiergarten, ist eine ausgewiesene und zertifizierte Hotel- und Restaurantexpertin, die schon vieles erlebt hat. Mal kam, ohne jede Anmeldung, das schwedische Königspaar auf einen Happen ins Restaurant und musste, weil im Saal ein Seminar lief, bei den Fahrern im Stüberl Platz nehmen. Mal machte sich ein amtierender Bundespräsident frühmorgens so leise aus dem Staub, dass selbst die Sicherheitsleute nichts merkten. Herr von Weizsäcker war nach Spaziergang. Und also ging er in den Wald. Stars und Sternchen, Minister und Mäzene – alles stieg früher im Schloss ab.

Seit das idyllisch gelegene Schlösschen, das einst Markgräfin Wilhelmine für allerlei Amüsement diente, als Restaurant abgewickelt und zur Schule umgewidmet wurde, hat Kaiser im (separat zugänglichen) Kutschenhaus des Anwesens ein kleines, aber feines College gegründet, das Kaiser-College. Dort lädt die Fachfrau des guten Stils, die ansonsten auch als Lehrkraft an der Berufsfachschule für Hotelmanagement in Pegnitz lehrt (Fachpraxis, Qualitätsmanagement, Wellnessmanagement, Arbeitspädagogik) zu den verschiedensten Seminaren, die sie mit Partnern anbietet.

ä Baustein eins: die Feinschmeckerseminare. Da geht es mal um Wein, mal um Pralinenherstellung, um Champagner oder feine Speisen. Geplant sind zudem, gemeinsam mit dem Gastronomiebelieferer Rungis, Feinschmeckerworkshops über neue Produkte und Trends.

ä Baustein zwei: die Benimmseminare. Es gibt eines für die Allgemeinheit, bei dem es um die wichtigsten Benimmfragen geht: Wie verhält man sich in der Gesellschaft? Was muss man bei Tisch beachten? Bringe ich etwas mit, wenn ich eingeladen bin? Ein zweites Seminar richtet sich an Businessleute, die viel mit Geschäftspartnern aus dem In- und Ausland zu tun haben.

ä Baustein drei: Kreativseminare. Da geht es um (themenorientierte) Tischdekorationen, Lifestyle, Feng-Shui.

ä Baustein vier: Hochzeitsseminare. Kaisers Tipp für alle Hochzeiter: immer jemanden als Organisator benennen. Damit die Hochzeiter selbst loslassen und das Fest der Feste genießen können.

ä Baustein fünf: Trainingsseminare und Ausbildungsseminare für Angestellte aus dem Bereich Gastronomie. Ein Bestandteil: die Barschule. Dabei lernt man auch das Mixen von Cocktails.

Eine der beliebtesten Veranstaltungen: das Whiskeydinner and Tasting-Seminar; Referent am 13. Januar ist „Hecy“ Junold, als Koch dabei: Anton Dötzer, der vor Jahren einen Stern für den Thiergarten erkochte. Ansonsten arbeitet Kaiser auch mit Floristen, Heilpraktikerinnen zusammen. Und bei den Kochseminaren, bei denen Basiskenntnisse für eine gute, einfache Küche vermittelt werden sollen, steht eine Hauswirtschaftsleiterin am Herd. Kaiser: „Dort wird es nicht um Show gehen, sondern um Grundkenntnisse der Küche.“ Weil Kochen für immer mehr Menschen längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.


© Nordbayerischer Kurier





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