Nachrichten aus Bayreuth
21.11.2011 16:41
Husarenritt durch alles, was Land ist: Martin Herrmann im Zentrum
BAYREUTH. Hier ein Stück (Bauern-)Schinken, dort ein Ei(-sprung). Wer am Samstag im Zentrum das satirische Salonkabarett von Martin Herrmann erlebte, schwankte zwischen Applaus und Achterbahngefühl. Denn so urkomisch die augenzwinkernden Anspielungen des selbst ernannten Frauenflüsterers bisweilen waren – ein winziger roter Faden hätte dem kabarettistischen Slalomlauf wohl nicht geschadet.
Normalerweise reiche ihm die spartanische Bühnenausstattung in Form von Stuhl, Mikrofon und Gitarre aus, begann Herrmann („ich bin schon vom Namen her mit dem doppelten Versuch, die Weiblichkeit auszugrenzen, eine Herausforderung für jede Gleichstellungsbeauftragte“) sein Programm gleich mit einem Zugeständnis ans Bayreuther Publikum, das ja immens kulturerfahren sei: „In Bayreuth haben die Leute Recht auf ein Bühnenbild“, kicherte der Augsburger und stellte kurzerhand ein Bild – ein kleines, gerahmtes – auf den Tisch.
Besonders witzig wurde es vor allem dann, wenn der Comedian seinen scharfsinnigen Humor mit urkomisch eingesetzten Alltagsutensilien kombinierte. Etwa das wie ein fränkisches Meichala um den Kopf drapierte Seil, das sich unter dem brüllenden Gelächter der Kabarettfans als Stringkopftuch entpuppte, mit dem man in Baden-Württemberg an jeder Schule unterrichten könne. Oder mit einer überaus geistreichen instrumentalen Erfindung, mit der Bauern die Mädels „mit urbanem Migrationshintergrund“ aufs Land locken könnten: der tibetanischen Taschenharfe mit geweihtem Draht. Die eigentlich ein auf dem Resonanzboden seiner Gitarre platzierter Eierschneider war, auf dem Herrmann im bäuerlichen Klischeeoutfit mit Filzhut und kariertem Hemd zum revolutionären Reinkarnationslied ansetzte.
Es waren überhaupt die Glanzlichter des Abends, wenn der Kabarettist, der sich zu den Neoromantikern seiner Art zählt, einen halben Meter zur Seite stieg und sich in sein selbst erklärtes Liedermachereck verkrümelte. Mit liebenswert-schrägen Texten und urigen Melodien setzt Herrmann das, was er an Skurrilitäten im täglichen Leben entdeckt, nämlich gerne in mehrstrophigen Songs um. Bis auf das „Lied vom Idealpartner“, feixte er. Das sei naturgemäß ziemlich kurz geraten. Aber so ist das halt in der Neoromantik.
