Nachrichten aus Bad Berneck

06.09.2011 00:00

Was Bauunternehmer Peter Dechant an seinem Beruf fasziniert und warum er gerne zum Tanzen geht

,,Ich bin eher der ruhige Typ“: Peter Dechant vor einem seiner Projekte, dem Kontrollzentrum für das europäische Satellitennavigationszentrum Galileo in Oberpfaffenhofen.Foto: Töpfer

WEISMAIN

Von Roland Töpfer

Genugtuung? Peter Dechant bleibt vorsichtig. „Es ist eher die Angst, dass es mal anders werden könnte.“ Gut zehn Jahre liegt die spektakuläre Dechant-Pleite zurück, doch im Hinterkopf bleibt sie präsent. Dabei hat Peter Dechant, der Sohn des Firmenpatriarchen Alois Dechant, allen Grund, zufrieden zu sein. Seine im Jahr 2000 neu gegründete Dechant Hoch- und Ingenieurbau GmbH (dhib) wuchs von 26 Millionen (2001) auf dieses Jahr rund 95 Millionen Euro Umsatz. Gut sechs Millionen Gewinn waren es 2010 – nach Steuern. Dieses Niveau soll 2011 gehalten werden. Bankkredite mag Dechant nicht. „Wir bezahlen alles aus dem Cashflow.“ In den vergangenen vier Jahren stockte der Geschäftsführer die Belegschaft um weit über 100 auf nun rund 350 Mitarbeiter auf, kam mit der Weismainer Firma in die wachstumsstärksten „Bayerns Best 50“. Jetzt will Dechant das Erreichte absichern, die Umsätze halten, am Prinzip der direkt geführten Firma festhalten. Würde er in neue Größenordnungen hineinwachsen, bräuchte er eine neue Firmenstruktur. Doch dhib soll „einigermaßen schlank bleiben“.

Peter Dechant will auf der sicheren Seite bleiben. „Ich bin risikoscheuer als mein Vater.“ Auf Großbaustellen lauern viele Unwägbarkeiten. „Bei einem Großauftrag, da schlaf ich schon mal zwei, drei Tage schlecht.“ Seine Firma hatte schon viele Großaufträge: Neubau des Bundesnachrichtendienstes in Berlin (knapp 50 Millionen), Landestheater Erfurt (15 Millionen), Penny Logistikzentrum in Köln (24 Millionen), Umbau der Cargolifter-Halle zu Tropical Islands südlich von Berlin (5,7 Millionen) oder, ganz neu, der Anbau des Verwaltungsgebäudes des Bundestages (27 Millionen) bis Ende 2012. Etwa die Hälfte der Aufträge schafft der Vater ran. Der ist mittlerweile 71, arbeitet noch immer 50 bis 60 Stunden die Woche. „Klar, manchmal gibt’s Zoff“. Der Vater sei eben „impulsiver“. Aber eigentlich ergänze man sich gut. „Ich bin eher der ruhige Typ. Ich streite mich nicht gern.“ Warum bekommt gerade dhib immer wieder prominente Aufträge? Für Peter Dechant sind das handwerkliche Spezialwissen, die Präzision der Auftragsabwicklung die entscheidenden Gründe. „Wir arbeiten in einer Matrix-Organisation, projektorientiert. Die Organisation ordnet sich dem Projekt unter, nicht das Projekt der Organisation.“ Jetzt spricht der Betriebswirt. Nach seinem Bauingenieur-Studium in Coburg hat Dechant in Bayreuth bis zum Vordiplom noch acht Semester BWL studiert. Bilanzen lesen kann er also auch. Die halbe Woche ist er unterwegs, auf Baustellen, bei Geschäftspartnern, fährt rund 70 000 Kilometer im Jahr, oft nach Berlin oder Frankfurt. „Da kenn ich alle Geschwindigkeitsbeschränkungen.“ Im Büro macht er Kalkulationen, kaufmännische Auswertungen, spricht mit Kunden und Architekten. Morgens kurz nach 7 kommt er, abends meistens nach 8 geht er. Samstags ist um 14 Uhr Schluss. Was seine Frau dazu sagt? „Sie hat sich daran gewöhnt.“ Klar, die Sinnfrage stelle man sich schon mal. Nach dem Urlaub, nach Weihnachten. „Aber wenn du wieder in der Tretmühle bist, ist das nach ein paar Tagen vergessen.“

Ingenieure stehen auf Technik, klar. Peter Dechant mag Computer. Mit 15 hat er Programme geschrieben. Heute laufen seine Poliere mit Tablet-PCs rum. Man kann Pläne abrufen, 3-D-Darstellungen sehen. Würde er keine Baufirma führen, wäre er vielleicht Programmierer geworden.

„Ganz selten“ ist der 46-jährige Vater von drei Kindern (21, 18, 15) nicht im Job. Dann geht er mit seinem Sohn zum Tennis. Oder mit seiner Frau zum Tanzen. Lateinamerikanisch am liebsten. Wenigstens einmal die Woche. Denn Familienwerte stehen für Peter Dechant ganz oben, auch wenn der Beruf ihm die meiste Lebenszeit abnötigt. „Wissen Sie“, gibt er dem Journalisten noch mit, „die Zeitung von gestern, die ist nicht mehr viel wert. Das Bauen aber bleibt.“ Wenn man am Geschaffenen vorbeifahre, dann sei das „schon ein Supergefühl“.

In der nächste Folge geht es um Udo Möhrstedt, Vorstandsvorsitzender der IBC Solar AG in Bad Staffelstein.


© Nordbayerischer Kurier





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